Evolvierende Dialog-Praxis

Untersuchende Streitgespräche und kreative Dialoge

“Dialog kommt aus dem Griechischen und besteht aus zwei Wortstämmen dia >durch< und logos >Wort<, was semantisch als Fließen von Worten übersetzt werden kann, während Diskussion, aus dem Lateinischen stammend in die Morpheme dis >zer< und cutio >schlagen<, >spalten< aufösbar ist. Im Bedeutungsrahmen der Begriffe zeigt sich hier eine große Differenz. Es ist naheliegend, dass eine analytische, zerkleinernde und trennende Gesprächshaltung mit dem Wort Diskussion beschrieben werden kann. Für den Dialog liegt der Fokus eher auf der Gestalt des freien Fließens. Bohm vergleicht Dialog und Diskussion mit Spielsituationen.

Während im Dialog alle durch die Meinungsvielfalt gewinnen sollen, da jeder gleichermaßen eine Perspektivenvielfalt vor sich hat und von den unterschiedlichen Argumenten proftieren kann, ist für die Diskussion kennzeichnend, dass Sichtweisen dort miteinander in Konfikt geraten und letztendlich ausgefochten wird, welche Perspektive den Zuschlag erhält und als die bessere gewertet wird. Das Grundprinzip des Dialogs ist analog zur bohmschen Philosophie die gleichberechtigte Teilhabe.”

Quelle: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:15-qucosa-203595

5 Haltungen der evolvierenden Dialog-Praxis

  1. Ein wirklicher Dialog entsteht dann, wenn wir mehr an dem interessiert sind, was wir noch nicht wissen, als an dem, was wir bereits wissen. Lass dich überraschen, was in dir und außerhalb von dir auftauchen wird.
  2. Es ist leicht, intellektuell oder egozentriert zu sein. Die Lebendigkeit des Dialogs lebt jedoch von unserem gemeinsamen Interesse an dem, was zwischen uns inhaltlich und im Bewusstseinsfeld entsteht.
  3. Wirklich Zuhören ermöglicht es, miteinander ein Gespräch zu entwickeln, das aufeinander aufbaut. Wirklich Zuhören erlaubt uns, in einem sich ständig erweiternden Verständnis zusammen zu kommen.
  4. Jedes Gespräch lebt von unserer aktiven Teilnahme. Auch wenn du gerade nicht sprichst, bleib mit den anderen Menschen und mit dem Gespräch in Verbindung. Bleib präsent.
  5. Jeder unserer Dialoge ist Teil eines größeren Dialogs. Erkenne und verstehe dich daher als Teil einer größeren Gemeinschaft und sei dir auch der Dialogwirkung weit über den aktuellen Dialograum hinaus bewusst.